Teams-Telefonie auf Mobilgeräten in der Rufbereitschaft – sinnvoll oder nicht?

Teams oder Mobilfunknetz?

Viele Unternehmen nutzen Microsoft Teams längst nicht mehr nur für Chats und Meetings – auch in der Telefonie hat sich Teams in Verbindung mit Lösungen wie ROGER365.io als Plattform für moderne Contact Center etabliert. Dabei stellt sich immer wieder eine zentrale Frage:

Sollen Agenten in der Rufbereitschaft Anrufe über die Teams-App auf dem Handy entgegennehmen – oder lieber direkt über das Mobilfunknetz?

In diesem Blog beleuchte ich beide Ansätze, zeige Vorteile und Risiken auf und teile Erfahrungen aus der Praxis – speziell im Kontext professioneller Bereitschaftsszenarien.

Ausgangslage: Contact Center auf Basis von ROGER365.io

ROGER365.io ist ein Teams-natives Contact Center. Das Contact Center von ROGER365.io erlaubt u. a. die Weiterleitung eingehender Anrufe außerhalb der Geschäftszeiten – z. B. basierend auf einer SharePoint-Liste für Rufbereitschaften.

Diese Anrufe können auf zwei Arten an den diensthabenden Agenten durchgestellt werden:

  1. An die geschäftliche Mobilnummer des Agenten (klassisch über das Handynetz)
  2. An die Teams-Rufnummer, die in der mobilen Teams-App klingelt (VoIP über WLAN oder mobile Daten)

Beide Wege haben ihre Berechtigung – und ihre Herausforderungen.


Variante 1: Weiterleitung an die geschäftliche Mobilnummer

Hierbei wird der Anruf direkt auf das Diensthandy des zuständigen Agenten weitergeleitet – ganz klassisch über das Mobilfunknetz.

Vorteile der Weiterleitung über das Mobilfunknetz

  • Unabhängig von WLAN oder mobilen Daten – hohe Zuverlässigkeit, auch bei schwacher Internetverbindung.
  • Schnelle Annahme über die native Telefon-App des Smartphones.
  • Gut geeignet für kritische Bereitschaften, bei denen Erreichbarkeit oberste Priorität hat.
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Das Bild zeigt einen aktiven Telefonanruf auf einem iPhone, mit den typischen Bedienelementen der Telefon-App während eines laufenden Gesprächs.

Bedienelemente während des Gesprächs

SymbolBedeutung
LautsprecherAudio über Lautsprecher
FaceTimeFaceTime starten (nur verfügbar mit iPhones)
StummMikrofon stummschalten
HinzufügenKonferenzteilnehmer hinzufügen
BeendenAnruf beenden
ZiffernblockNummerntastatur öffnen (z. B. für PINs, Menüs etc.)

Screenshot: Bedienoberfläche Handy mit aktivem Anruf

Nachteile der Weiterleitung über das Mobilfunknetz

  • Der Anruf wird nicht zentral in Teams gesteuert oder dokumentiert – keine Weiterleitung, Agentenstatus oder Aufzeichnung möglich.
  • Nur geschäftliche Mobilnummern sollten verwendet werden!
    → Die Nutzung privater Handys oder Nummern ist nicht mehr zeitgemäß und birgt rechtliche wie organisatorische Risiken (z. B. DSGVO, Akzeptanz im Team).
  • Es muss unbedingt sichergestellt sein, dass keine Mailbox aktiv ist – weder vom Netzbetreiber noch lokal auf dem Gerät.
    → Sonst kann es passieren, dass der Anruf als „angenommen“ gilt, obwohl er nie bearbeitet wurde.
    → Diese Einstellungen sollten standardisiert geprüft und dokumentiert werden.
  • Technisch relevant im Einsatzprozess:
    → Auf vielen Geräten ist bei klassischer Mobiltelefonie während eines Anrufs keine parallele Internetnutzung möglich, sofern VoLTE nicht aktiv ist.
    → Der Agent kann dann keine Webseiten aufrufen oder Apps mit Online-Zugriff nutzen – was in Bereitschaftssituationen (z. B. für Eskalationen oder Dokumentation) kritisch sein kann.
    → Auch dieser Aspekt sollte in der Prozessgestaltung berücksichtigt und getestet werden.

Variante 2: Weiterleitung an die Teams-Rufnummer (App auf dem Smartphone)

Hierbei wird der Anruf über die Teams-Infrastruktur zugestellt und auf der mobilen Teams-App angezeigt – ähnlich wie ein VoIP-Anruf.

Vorteile Weiterleitung mit Teams

  • Vollständig integriert in die Microsoft-Teams-Umgebung: Agentenstatus, Anrufverlauf, Aufzeichnung, Rückruflisten etc.
  • Einheitliche geschäftliche Rufnummer – kein Kontakt über private Kanäle.
  • Erweiterte Funktionen wie Anrufweiterleitung, Rückfragen oder Dreierkonferenzen stehen zur Verfügung (je nach Gerät begrenzt).
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Dieses Bild zeigt einen laufenden Anruf in der Microsoft Teams-App auf einem iPhone. Es handelt sich um die Benutzeroberfläche während eines aktiven VoIP-Anrufs über Teams (nicht über das klassische Mobilfunknetz).

Bedienfunktionen in der Teams-App:

SchaltflächeBedeutung
Mikrofon EinMikrofon stummschalten/aktivieren
iPhoneAudioausgabe wählen (z. B. Lautsprecher, Bluetooth-Gerät)
HaltenAnruf vorübergehend parken
DurchstellenAnruf an anderen Teilnehmer weiterleiten
WähltastaturNummerntastatur öffnen (z. B. für IVR-Menüs)
MehrWeitere Optionen (je nach Setup, z. B. Aufnahme, Notizen)
Anruf beendenRoter Button zum Auflegen des Anrufs

Screenshot: Bedienoberfläche aktiver Anruf in Teams-App über das Smartphone/iPhone

Herausforderungen aus der Praxis mit Teams

  • Die Zuverlässigkeit hängt von der Netzqualität ab (WLAN oder mobile Daten).
  • Die Teams-App auf mobilen Geräten reagiert manchmal träge, besonders bei eingehenden Anrufen im Sperrbildschirm.
  • Bluetooth-Kopplung mit Headsets oder Freisprecheinrichtungen kann verzögert reagieren oder instabil sein.
  • Die Bedienoberfläche für z. B. Dreierkonferenzen oder Weiterleitungen ist auf kleinen Bildschirmen oft weniger intuitiv als am Desktop.
  • Wichtig: Die Teams-App muss korrekt konfiguriert, aktuell und dauerhaft im Hintergrund aktiv sein.
  • Besonders wichtig im Bereitschaftskontext:
    → Die Ruhezeiten der mobilen Teams-App müssen überprüft werden.
    → Sind diese aktiviert (z. B. „Nicht stören“ außerhalb der regulären Arbeitszeiten), werden Anrufe nicht signalisiert, auch wenn sie korrekt weitergeleitet wurden.

Eingeschränkte Funktionalität Teams-App im Vergleich zum Desktop

Ein oft übersehener Aspekt ist, dass mobile Teams-Apps keine Erweiterungen durch Drittanbieter-Apps unterstützen. Funktionen, die am Desktop über Lösungen wie ROGER365.io direkt in Teams eingebettet sind – z. B. Schnellwahl, zwischen Gesprächspartner/zwei aktiven Calls wechseln oder direktes Weiterleiten über integrierte Schaltflächen – stehen mobil ohne ein Contact Center nicht zur Verfügung. Das bedeutet: Die Steuerung von Anrufen ist in der Teams-App auf das absolute Minimum beschränkt – meist nur Annehmen, Halten, ggf. manuelles Weiterleiten über Rufnummer.

Kurz gesagt: Im mobilen Kontext ist Teams ein reiner Softphone-Ersatz, aber kein vollwertiger Arbeitsplatz wie am Desktop.


Praxisvergleich: Wann ist welche Variante besser?

KriteriumMobilnummer (klassisch)Teams-App (VoIP)
InternetunabhängigVorteilAbhängig von Netz
Teams-Funktionen nutzbarNicht möglichVoll verfügbar
Datenschutz / Privatsphärebei geschäftlicher NummerVorteil
Private Nummer erforderlichRisikonicht notwendig
Komfort bei KonferenzenTelefon-App oft besserOberfläche teilweise träge
Bluetooth-KompatibilitätStabilGelegentlich verzögert
Steuerung durch Contact CenterKein EinflussVoll integriert
Drittanbieter-IntegrationNicht möglichNicht mobil unterstützt
Parallele InternetnutzungHäufig nicht möglichVoll verfügbar
Tabelle: Vergleich von Teams-App versus Mobilfunknetz auf einen Blick

Empfehlung: Prozessabhängig entscheiden – oder kombinieren

Beide Varianten haben ihre Stärken – die richtige Wahl hängt vom konkreten Einsatzszenario ab:

  • Für reine Erreichbarkeit ohne Zusatzfunktionen kann die klassische Mobilnummer zuverlässiger sein.
  • Wenn der Agent Anrufe weiterleiten oder in Workflows integrieren soll, führt kaum ein Weg an der Teams-App vorbei.
  • In vielen Fällen bietet sich eine hybride Lösung an:
    → Primär an Teams weiterleiten – bei Nichterreichbarkeit automatische Weiterleitung an die Mobilnummer.

Mein Tipp aus der Praxis

Teams vor Mobilfunknetz

Testen Sie beide Wege mit Ihrem Team im echten Einsatz. Achten Sie dabei besonders auf:

  • Reaktionszeit der Teams-App
  • Klangqualität und Bluetooth-Nutzung
  • Handhabbarkeit bei Konferenzen und Weiterleitungen
  • Zuverlässigkeit bei wechselnden Netzverhältnissen
  • Aktive Ruhezeiten / App-Benachrichtigungen
  • Verfügbarkeit von Internet während Gesprächen über Mobilfunk

Denn die beste Lösung ist am Ende die, die zu Ihren Prozessen, Tools und Teams passt – nicht die technisch eleganteste allein.

Die Integration von Rufbereitschaft in ein modernes Teams-Contact-Center wie ROGER365.io bietet viele Vorteile – aber nur, wenn auch die letzte Meile bis zum Agenten professionell umgesetzt wird. Wer Teams mobil nutzt, profitiert von smarter Integration – wer Mobilfunk einsetzt, sollte auf saubere Konfigurationen achten. Und idealerweise: beides kombinieren.

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