WhatsApp träumt von einer Alles-App
Viele Tech-Konzerne träumen von einer Alles-App. Eine App, in der Nutzer und Nutzerinnen viele verschiedene Funktionen in einer App nutzen und diese gar nicht mehr verlassen müssen. Einkaufen, Chatten, Banking – alles in einer App. Wenn es nach Meta geht, soll das bald für WhatsApp Realität werden. Werfen wir einen Blick auf die Pläne von Mark Zuckerberg und was sich hinter dem Traum der Alles-App versteckt.
Vorbild WeChat
WhatsApp als zentrale Anlaufstelle für das Onlineleben, davon träumt Meta. Der Konzern, zu dem auch Facebook und Instagram gehören, möchte seinen Messenger-Dienst WhatsApp am liebsten zu einer Alles-App ausbauen. Gechattet werden soll natürlich immer noch, nur sollen weitere Funktionen in-app hinzukommen. Eine App, die alles kann, ist das Ziel – ganz nach chinesischem Vorbild von WeChat.
WeChat wurde als chinesische Antwort auf WhatsApp im Jahr 2011 von dem Konzern Tencent gegründet und ist heute für viele Chinesen die zentrale Einkaufs- und Informationsplattform. Es lassen sich sogar Scheidungsanträge darüber einreichen. Tencent startete schon früh mit Bezahlfunktionen und ist heute die herrschende App für weite Teile des Onlinegeschäfts in China. Auch Elon Musk träumt von einer Alles-App als Anlaufstelle für alles im Onlineleben wie Banking, Zahlungsdienste und Messages. Aber auch er ist noch nicht da, wo WeChat heute ist.
Testmarkt Brasilien
Was das genau für WhatsApp bedeutet, zeigt Brasilien. Hier testet Meta neue Funktionen, denn auch sie wollen eine App werden, die Nutzer:innen nicht mehr verlassen müssen. Besonders in Schwellen- und Entwicklungsländer baut Meta auf den Messenger WhatsApp. In diesen Ländern ist WhatsApp heute schon ein wichtiger Kanal für andere Dienste als nur eine Kommunikationsplattform. Das Start-up „What’s Up Education“ beispielsweise bietet kostenfreie Englischkurse. Über virtuelle Klassenräume in WhatsApp-Gruppen arbeiten ehrenamtliche Lehrer und Lehreinnen und sitzen auf der ganzen Welt.
WhatsApp Pay
WhatsApp Pay ist in Brasilien, nach einem ersten gescheiterten Versuch, seit März 2023 für alle WhatsApp-Nutzer in Brasilien verfügbar. Sie können die integrierte Bezahlfunktion in WhatsApp nutzen und Geld verschicken. Wie das im WhatsApp-Chat aussieht, zeigt Meta in seinem Newsroom: Pay Small Business in Brazil on WhatsApp.
Der Getränke-Anbieter Ze Delivery nutzt WhatsApp für Bestellungen. Über WhatsApp können Brasilianer beim Lieferservice Getränke bestellen und auch direkt bezahlen. In Deutschland ist es aktuell nur möglich einen Produktkatalog in WhatsApp zu hinterlegen, einen Bezahlbutton gibt es zurzeit (noch) nicht.
Banken müssen sich warm anziehen. Denn es geht noch viel mehr in Brasilien. Über „Magie“, der ersten WhatsApp-Bank Brasiliens können ganze Bankgeschäfte abgewickelt werden – in der App. Nicht mal ein Bankkonto ist erforderlich, aber eine Kredit- oder Debitkarte, die mit der Handynummer verknüpft wird. Die brasilianische Zentralbank hat den Dienst abgesegnet und so bezahlen Brasilianer via WhatsApp. „Magie“ braucht keine App, keine Filialen und keine Website – alles läuft über WhatsApp. Diese sollen besonders kleine und mittlere Unternehmen ansprechen und ihnen das Leben erleichtern. „Magie“ nutzt die Schnittstelle von WhatsApp und das von der Zentralbank initiierte Zahlungsnetzwerk Pix. Und hier kommt auch KI ins Spiel. Freunde beim Abendessen im Restaurant: Ein Foto von der Restaurantrechnung wird hochladen und der App per Sprachnachricht gesagt, was man gegessen hat und wem man etwas schuldet. Die KI rechnet alles zusammen fragt, ob der der Betrag gesendet werden soll.
WhatsApp Pay rund um die Welt
WhatsApp Pay ist seit September 2021 in Indien für alle Nutzer und Nutzerinnen verfügbar, nachdem die Nutzergrenze davor noch eingeschränkt war. Die Zahlungsart ist hier dominanter Anbieter in Mobile Payment. Auch in Singapur kann seit Mai 2023 WhatsApp Pay über den Zahlungsabwickler Stripe genutzt werden. Für Unternehmen bedeutet das: ein Großteil der Customer Journey kann in der App stattfinden. Und das ist besonders für kleine und mittlere Unternehmen interessant.
WhatsApp Pay in Deutschland
Die Zulassung für WhatsApp Pay muss in Deutschland über die Bundesanstalt für Finanzdienstleistung genehmigt werden. Und das ist bis heute noch nicht erfolgt. In einem so sicherheitsbewussten Land wie Deutschland wird so ein Bezahldienst natürlich in Beug auf Datenschutz heiß diskutiert. Wie der Service in Deutschland ankommen wird, wenn er einmal genehmigt ist, ist ungewiss. Klar ist, dass sich WhatsApp Pay in Europa langfristig etablieren wird. Und sich Unternehmen die Frage stellen müssen, ob sie dabei sein wollen oder nicht. Aktuell können Unternehmen in Deutschland WhatsApp zwar noch nicht für eine komplette Kaufabwicklung in-App nutzen, aber WhatsApp-Nachrichten, um Zahlungslinks oder Rechnungen als PDF zu versenden.
Warum ist Meta so an der „everything app“ interessiert?
Für Meta kommt der Umsatz aus mehr als 97 Prozent von Werbeeinnahmen und dieses Geschäft wird von Google (Cookies) und Apple (Tracking) erschwert. Sie ändern und begrenzen Prozesse, auf denen das Werbegeschäft basiert. Die Alles-App soll die Antwort sein. Hier bezahlen Unternehmen dann dafür, mit Kunden zu chatten und die bleiben über die anderen Dienste immer im Dunstkreis des Konzerns. WhatsApp nutzen über 2. Milliarden Menschen und schon über 200 Millionen Unternehmen. Hundertmillionen Unterhaltungen täglich machen diesen Markt interessant und lukrativ für Meta.
Auch Deutschland ist für Meta ein interessanter Markt. Hier ist WhatsApp sehr beliebt. Und auch Unternehmen dürfen den Dienst nicht unterschätzen. Menschen nutzen den Messenger für ihre Private Kommunikation, teilen, chatten, Video-telefonieren und sind eh schon so an die App gebunden. Bei WhatsApp geht es um Vertrauen. Unternehmen profitieren von der „Nähe“ in der App und knüpfen echte Beziehungen zu ihren Kunden.
WhatsApp Business API in Deutschland im Einsatz
Aber wie gesagt: Neue Funktionen wie Zahlungsvorgänge und Online-Shopping sind für Deutschland noch offen. Datensicherheit, Compliance und gesetzliche Vorgaben müssen eingehalten und eine Bezahlfunktion von der BAFIN sowieso erst freigegeben werden.
WhatsApp für die Kundenkommunikation ist aber heute bereits sehr erfolgreich in Deutschland. Unternehmen, die sich nicht sicher sind, habe ich hier die wichtigsten Artikel zum Thema aufgeführt:
WhatsApp Messenger, WhatsApp Business App und WhatsApp Business API – die Unterschiede
Zustimmung für WhatsApp via WhatsApp einholen – Datenschutz und Compliance
Zustimmung für WhatsApp verwalten – im CRM und ohne
Newsletter über WhatsApp – Beispiele & Vorteile
Newsletter über WhatsApp OUT Funktion – so geht‘s
WhatsApp Chatbot – 7 Beispiele für Bots in der Kundenkommunikation
Wie geht das mit WhatsApp Business API?
Hat Ihr Unternehmen noch kein WhatsApp in der Kundenkommunikation und denkt darüber nach, diesen Kanal für Kundinnen zu öffnen, schreiben Sie uns. Wir erläutern Ihnen, wie WhatsApp datenschutzkonform und kundenfreundlich funktioniert.
Foto von Shot by Cerqueira auf Unsplash
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